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VORZEITIGE BEENDIGUNG EINES EBAY ANGEBOTS

Hin und wieder kommt es vor, dass ein Bieter sein Höchstgebot auf ein besonderes Schmuckstück bei E-Bay abgegeben hat und der Anbieter dieses Angebot vorzeitig beendet.

Nach dem kurzen Ärger über ein vielleicht verpasstes Schnäppchen, fragt sich manch einer was man nun tun kann.

Dieser Artikel soll kurz die rechtlichen Grundlagen einer E-Bay-Auktion erläutern unter besonderem Bezug auf die Thematik „vorzeitige Beendigung von Angeboten“.

1.) Das rechtliche Grundverhältnis

Durch das Einstellen des Artikels gibt der Anbieter eine vorweggenommene Erklärung der Annahme des Höchstgebotes an.

Mit der Einstellung erklärt der Anbieter also „ Mit der Person, die am Ende der Gebotszeit am meisten geboten hat, schließe ich den Vertrag “.

Der Vertrag kommt somit zwischen Anbieter und Höchstbietenden zum Zeitpunkt des Angebotsendes zustande.

2.) Die vorzeitige Beendigung

Wenn der Anbieter sein Angebot nun vorzeitig beendet, ändert sich grundsätzlich erst einmal nichts.

Der Vertrag kommt zum Zeitpunkt der Beendigung mit dem Höchstbietenden zustande.

Kann oder will der Anbieter den Vertrag nicht mehr abschließen, macht er sich schadensersatzpflichtig.

Der Umfang des Schadenersatzes ist davon abhängig, ob der Anbieter die Leistung nicht mehr erbringen kann oder will (Bsp. 1), oder ob er sich beim Einstellen des Artikels geirrt hat (Bsp. 2).

Bsp. 1:

Der Verkäufer bietet einen Pkw im Wert von 20.000,00 Euro zu einem Startpreis von 1,00 Euro an. Vor Ablauf der Angebotsfrist beträgt das aktuelle Höchstgebot 12.000,00 Euro. Nunmehr nimmt er den Artikel aus der Plattform raus.

– Es ist ein Kaufvertrag über den Pkw in Höhe von 12.000,00 Euro zustande gekommen. Mit der Freischaltung der Angebotsseite liegt nach höchstrichterlicher Rechtsprechung die ausdrückliche Erklärung vor, er nehme das bereits zu diesem Zeitpunkt höchste wirksame Kaufangebot an.

– Der Bieter kann nun die Erfüllung des Kaufvertrages, d. h. die Übereignung des Pkw Zug um Zug gegen Zahlung des Kaufpreises (12.000,00 Euro), verlangen.

– Sollte die Herausgabe des Pkw nicht mehr möglich sein, ist der Verkäufer dem Bieter zur Zahlung von Schadensersatz in Höhe des Differenzbetrags zwischen Kaufpreis und tatsächlichem Marktwert (hier: 8.000,00 Euro) verpflichtet.

Bsp. 2:

Der Verkäufer bietet einen Pkw im Wert von 20.000,00 Euro zu einem Startpreis von 1,00 Euro an. Ein Bieter gibt ein Höchstgebot von 8.000,00 Euro ab. Der Verkäufer bemerkt nunmehr, dass er sich bei der Erstellung des Angebots vertippt hat und statt eines Startpreises von 1,00 Euro 10.000,00 Euro gewollt waren.

– Es ist ein Kaufvertrag über den Pkw in Höhe von 8.000,00 Euro zustande gekommen.

– Der Verkäufer hat aber die Möglichkeit den Kaufvertrag unverzüglich anzufechten.

Bei wirksamer Anfechtung ist nun der Kaufvertrag nichtig. Die Anfechtung kann nur auf Grundlage eines Irrtums erfolgen. Diesen Irrtum müsste der Anbieter jedoch innerhalb der gesetzlichen Anfechtungsfrist erklären.

– Trotz erfolgreicher Anfechtung kann der Bieter vom Verkäufer Schadensersatz verlangen. Ersatzfähig ist der sogenannten Vertrauensschadens, also der Schaden der im Vertrauen auf das Geschäft entstanden ist. Hierzu gehören insbesondere bereits aufgewandte Kosten, aber auch ein etwaiger entgangener Gewinn aus einem beabsichtigten Weiterverkauf.

Tina Vogel

About Tina Vogel

Rechtsanwältin Tina Vogel ist Mitbegründerin und Partnerin der Sozietät „Anwaltskanzlei Oppenheim & Vogel“. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit liegen in den Bereichen des Arbeitsrechts, Mietrechts, Verkehrsrechts und Vertragsrechts.