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BAUKUNST UND URHEBERRECHT

  • Hans Oppenheim
  • 8. September 2010

Am Anfang steht die Idee sich den Traum vom individuellen und kunstvoll gestalteten Eigenheim durch einen Architekten planen und realisieren zu lassen.

Nach einiger Zeit hat sich dann jedoch vielleicht der Geschmack geändert und man möchte sein kunstvolles Eigenheim verändern und umgestalten.

Doch hierbei kann es schnell zu Problemen mit dem Architekten kommen, denn wer sich ein besonderes Bauwerk hat errichten lassen, läuft Gefahr, dass der ausführende Architekt an diesem Urheberrechte geltend machen kann und wird.

Nach § 2 Abs. 1 Nr. 4 Urheberrechtsgesetz können auch ein Bauwerk und dessen Planungsunterlagen den Schutz nach dem Urheberrecht genießen.

Die Anforderungen, wann ein Bauwerk ein „Werk der Baukunst“ darstellt, sind dabei geringer als man auf den ersten Blick vermuten mag.

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshof ist entscheidend für die Frage, ob nach den im Leben herrschenden Anschauungen von Kunst gesprochen werden kann, nicht die ästhetischen Feinheiten, die ein auf dem gleichen Fachgebiet arbeitender Fachmann herausfühlt, sondern der ästhetische Eindruck, den das Werk nach dem Durchschnittsurteil des für Kunst empfänglichen und mit Kunstdingen einigermaßen vertrauten Menschen vermittelt.

Dabei ist auch zu beachten, dass der Schutz des Urheberrechts sich nicht zwingend nur auf ein gesamtes Bauwerk beschränken muss, vielmehr können auch künstlerisch herausragende Einzelleistungen – etwa ein besonders gestalteter Innenraum bis hin zu einem individuell gestalteten Zaun oder einer Balkonumrandung – den Schutz nach dem Urheberrecht genießen.

Bei einem Eigenheim wird aber eine besonders hohe Individualität zu fordern sein, für die ein vergleichbares Vorbild nicht ersichtlich ist.

Wenn nun ein Bauwerk oder eine Einzelleitung unter den Schutz des Urheberrechts fallen, hat der Eigentümer einige Einschränkungen zu beachten.

Der Architekt hat als Schöpfer des Werkes das Recht jegliche Veränderung an seinem Kunstwerk zu verbieten. Wenn nun also der Eigentümer nach ein paar Jahren, beispielsweise die kunstvoll geschmiedete Balkonumrandung ersetzen möchte, könnte ihm dies der Architekt verbieten.

Auch wenn man das Bauwerk bereits verändert hat, könnte der Architekt die Wiederherstellung „seines“ Kunstwerks oder Schadenersatz verlangen.

Daher sollte jeder Eigentümer eines besonders individuell gestalteten Bauwerks sich vor einer Veränderung desselben mit dem Architekten, der dieses geplant und/ oder ausgeführt hat, abstimmen.

Bezüglich der Vervielfältigung und Verwertung von Planunterlagen kann man aber bereits bei deren Erstellung vertragliche Regelungen treffen, wonach der Auftraggeber hieran Rechte erhält.

Schließlich ist zu beachten, dass das Urheberrecht nicht automatisch mit dem Tod des Architekten erlöschen würde, vielmehr geht dieses auf seine Erben über und erlischt erst 70 Jahre nach dessen Tod.

Aber neben all den zu beachtenden Einschränkungen hat man auch die normierte Garantie, dass jedenfalls in der näheren Umgebung das individuelle Bauwerk nicht, auch nicht von dem Architekten, kopiert werden darf.

Hans Oppenheim

About Hans Oppenheim

Rechtsanwalt Hans Oppenheim ist Mitbegründer und Partner der Sozietät „Anwaltskanzlei Oppenheim & Vogel“. Schwerpunkte seiner Tätigkeit liegen in den Bereichen des Baurechts, Familienrechts, Scheidung und Verwaltungsrecht.